Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 74242
Datum der Veröffentlichung : 5/7/2015 1:30:53 PM
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Islamkunde 137 - Islam und Menschenrechte 13

Freitagsansprache vom 02. Februar 2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

So wie bereits erläutert, muss vor der Aufstellung der Menschenrechte, den allgemeinen Prinzipien Beachtung geschenkt werden, von denen wir einige bereits angesprochen haben:

a) Die Schöpfung, ein bedeutungsvolles System
b) Die Leitung der Schöpfung auf Grundlage der göttlichen Erziehung
c) Das Bestehen des Menschen aus Leib und Seele
d) Die Würde des Menschen

Weitere grundlegende Prinzipien, auf denen die Menschenrechte beruhen, sind folgende:

e) Die Bemächtigung und der Wille des Menschen

Ein weiteres grundlegendes Prinzip, welchem wir Beachtung schenken müssen, ist der Wille und die Autorität des Menschen; dies bedeutet, zur Vervollkommnung des Menschen, muss dieser Nutzen ziehen von dieser gottgegebenen Gnade – und es ist niemanden gestattet, den Willen und die Autorität der Menschen zu bremsen oder jene zu unterdrücken. Jeder muss im Zuge seiner heiligen Reise, Nutzen ziehen von seinem gottgegebenen Willen und diesen stetig verbessern und ausbauen. Jedoch ist zu erwähnen, dass der Mensch bei der Vervollkommnung von Dingen, die sich seinem Willen entziehen, den Pflanzen und Tieren gleicht. Jedoch ist der Wille und die Bemächtigung des Menschen, das was ihn von jenen unterscheidet und trennt und mit denen der Mensch durch entsprechende Planung und Gesetzmäßigkeiten seine menschliche Identität bildet. Dies findet allerdings dann seine tatsächliche Verwirklichung, wenn der Mensch unter Berücksichtigung seiner Würde und Stellung einen Weg einschlägt, welcher ihn zu seinem eigentlichen Ziel und seiner Vervollkommnung führt.

 f) Das Prinzip des gesellschaftlichen Lebens

Das Prinzip des gesellschaftlichen Lebens ist eine weitere wichtige Grundlage. In dem Sinne, dass das gemeinschaftliche und gesellschaftliche Leben für die Menschen eine relevante Angelegenheit darstellt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Menschlichkeit des Menschen lediglich Produkt seines gemeinschaftlichen Lebens ist, sodass der Mensch außerhalb der Gemeinschaft, keiner mehr sei (sowie einige Meinungsvertreter annehmen). Der Zweck der Gemeinschaftlichkeit der Menschen liegt darin, dass sie für das Fortführen ihres eigenen Lebens, das gemeinschaftliche Leben benötigen. Darüber hinaus ist es genau jene gesellschaftliche und gemeinschaftliche Atmosphäre, die den Menschen an eine Gabelung führt, an welcher er sich für den rechten Weg und für seine Vervollkommnung entscheiden muss.

Ein Beispiel für die Gemeinschaftlichkeit der Menschen findet sich in der Bildung und Erziehung und den wissenschaftlichen, geistigen, kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten – welche nur in einer Gemeinschaft ihre Verwirklichung finden. Die Menschen müssen für ihre Entwicklung in diesen Dimensionen von vorrangegangen Erfahrungen Nutzen ziehen und jene Wege weiterführen, um ihre Stufen der Entwicklung zu vervollkommnen. Wenn es diese Beziehungen in den Bereichen der Wissenschaft, der Forschung und der Erfahrungswerte der Menschheit, sowie den Austausch der Menschen verschiedener Kulturen und Sprachen nicht gäbe, so wird die Menschheit jene Entwicklung nicht erreichen. Daher ist ein wichtiger Aspekt der seelischen und materiellen Vervollkommnung der Menschen, das gesellschaftliche Zusammenleben. Aus diesem Grund hat der Islam für diesen Bereich der Beziehungen, zahlreiche Anordnungen definiert und auf diese deutlich hingewiesen, sodass die Gemeinschaften der Menschen jene Vervollkommnung erreichen.

Der Islam definiert für den Gläubigen zwei verschiedene Arten von Pflichten – die individuelle Pflicht, sowie die gemeinschaftliche Pflicht. Für beides wurden bestimmte göttliche Gesetzgebungen und Richtlinien definiert, mit dessen Befolgung der Mensch den Weg der Glückseligkeit und Freude im Diesseits, sowie im Jenseits einschlägt. Daher ist es, dass wenn eine Person das gemeinschaftliche Zusammenleben mit seinen Gesetzgebungen nicht akzeptiert und dessen Gebote und Verbote nicht einhält, er sich im gleichen Maße seiner eigenen Vervollkommnung beraubt. Damit ist es klar ersichtlich, dass bei der gesellschaftlichen Koexistenz der Menschen, für die Gewährleistung der Rechte der Menschen, gewisse Gesetze und Anordnungen definiert werden, sodass jegliches Chaos verhindert wird. Die Wichtigkeit dieser Gesetzgebungen ist überall für alle erwiesen, genauso wie das Einhalten jener. Selbst in Ländern in welchen die Freiheit des Einzelnen auf Grundlage des Liberalismus akzeptiert wird, wurde die Bedingung definiert, dass diese Freiheit keinem Individuum oder einer Gruppe von Personen Schaden zufügen darf. Tatsächlich gesehen, ist es nirgendwo geduldet, dass man frei von (gemeinschaftlichen) Gesetzgebungen ist. Dies bedeutet, niemandem ist es gestattet sich als unverantwortlich gegenüber den Gesetzen und Regelungen zu betrachten. Es ist genau jenes Gesetz, welches das Recht auf Freiheit garantiert, das dem Menschen ebenso Pflichten auferlegt hat. Also ist die Wechselbeziehung zwischen Recht und Pflicht, sei es auf individueller oder gesellschaftlicher Ebene, allgemein bestätigt – somit ist überall wo ein Recht gegeben ist, ebenso auch eine Pflicht definiert.

Jedoch kann es sein, dass jemand auf sein Recht verzichtet oder davon nicht richtig Gebrauch macht – oder es kann sein, dass jemand seinen Pflichten, seien es individuelle oder gesellschaftlichen, nicht nachkommt. Dies ist zurückzuführen auf das Maß des Verpflichtungsbewusstseins und des Vertrauens der Menschen gegenüber einander innerhalb einer Gesellschaft. Ersichtlich ist auch, je mehr Engagement und Glauben an die Einhaltung der Gesetze vorhanden ist, desto mehr wird auch Sicherheit und Frieden in dieser Gesellschaft Einzug finden. Ebenso sind in dem Falle, dass die Regierenden ebenfalls fest an die Rechte des Einzelnen innerhalb des Volkes gebunden sind und sich bemühen jegliches Unrecht und jegliche Unterdrückung zu vermeiden, dies alles Aspekte, die dazu führen, dass gesellschaftliche Gerechtigkeit etabliert wird. In diesem Zuge wird sich jeder in der Gesellschaft verpflichtet fühlen, aufgrund des Respektes gegenüber Anderen, die in den Gesetzen gegebenen Freiheiten nur auf die beste Art und Weise zu nutzen.

Das Fazit ist: Mit der Einhaltung der Kriterien und der rechtlichen und gesellschaftlichen Grenzen, werden die gemeinschaftlichen Angelegenheiten ihre korrekte Regelung finden. Also muss allen gelehrt werden, dass jede Einzelperson oder Gruppe, das Gute für seine Mitmenschen im Auge haben muss – und nicht nur an das eigene Wohlergehen und das seiner Gruppe denken darf. Man muss versuchen auf Basis der Menschlichkeit und der göttlichen Werte und Kriterien, die materiellen und spirituellen Rechte der Menschen in der Gesellschaft zu erkennen und diese einzuhalten und zu wissen, dass selbst wenn das Gute in weltlicher Hinsicht mit dem Guten in spiritueller Hinsicht gelegentlich in Konflikt steht – dass die spirituellen Rechte des Menschen, die Voraussetzung für jedes andere Recht darstellen. Die Seele, das Leben, der Glaube und die Anschauung, sind die Dinge, die den Menschen ausmachen. Die materiellen Angelegenheiten hingegen, müssen im Dienste der Entwicklung des Glaubens der Menschen stehen.

Wenn die Religion, die Moral und die Spiritualität den weltlichen und äußeren Aspekten der Menschen bzw. des Lebens geopfert werden, so werden die Menschen beim Erkennen der Werte und Kriterien in die Irre gehen und somit würde das wahrhaftige und eigentliche Leben der Menschen Schaden nehmen und in Mitleidenschaft gezogen.

Die Punkte die bis heute in den Sitzungen erörtert wurden, stellen die Grundlage dar für die Aufstellung der Menschenrechte, denen wir im Vorhinein unsere Aufmerksamkeit schenken müssen.

Schließlich lässt sich sagen, dass der Mensch in einer Welt lebt, in welcher jede Sache seinen eigenen Platz  innehat – welcher ihm mit der vollkommenen Weisheit und Erkenntnis Allahs, des Allmächtigen Gottes, zugewiesen wurde. Darüber hinaus ist das System dieser Welt, ein System welches auf dem Ein-Gott-Prinzip beruht – dies bedeutet, dass der Allweise Gott den Menschen als die beste Schöpfung mit einem besonderen und wichtigen Zweck und Sinn erschuf. Dieser Zweck stellt die Vervollkommnung des Menschen selbst dar. Jedoch liegt diese Vervollkommnung im eigentlichen Kern des Menschen, welcher die Seele und das Leben des Menschen darstellt – somit müssen alle weiteren materiellen Aspekte und auch der sterbliche Körper des Menschen lediglich im Dienste des eigentlichen Kern des Menschen und den humanistischen, sowie göttlichen Werten stehen. Auch wenn der Mensch ein „Erdengeschöpf“ ist, so ist die spirituelle und seelische Dimension des Menschen seine wichtigste Dimension, daher müssen bei der Definition der Menschenrechte, die für die Spiritualität förderlichen Aspekte, wie die Gerechtigkeit, Sicherheit, Freiheit und Vernunft als die grundlegendsten und wichtigsten Prinzipien herangezogen werden.

Nach dem Erkennen der individuellen und gemeinschaftlichen Rechte des Lebens, wird der Mensch, mit jenem von Gott gegebenen Willen, gegenüber diesen Rechten verpflichtet. So wird er darüber hinaus mit den richtigen Kriterien und Maßstäben, die Realisierung der menschlichen Werte ersuchen und sich der Vervollkommnung nähern. Schließlich wird der Mensch sich auf diesem Wege ein gesundes, reines und ewiges Leben schaffen und die eigenen Grenzen, sowie die anderer Menschen, auf Grundlage der von Gott offenbarten Maßstäbe, einhalten.



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