Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 2/9/2016 2:20:42 PM
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Islamkunde 161- Islam und moralische Rechte 6


Freitagsansprache von 13.11.2015

von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Das Recht der Ohren

In der "Abhandlung der Rechte" (Risalat al- Huquq) seiner Exzellenz, Imam Sajad (A.S.) wurde im Rahmen der Rechte der sieben Körperteile darauf hingewiesen. Jeder einzelne dieser Körperteile kann nämlich eine tragende Rolle in der Glückseligkeit oder aber auch Grausamkeit des Menschen spielen. Diese Thematik hängt in Wirklichkeit von der Art und Weise der Nutzung dieses göttlichen Segens ab. Aus diesem Grund sollte man beachten, dass die Einhaltung dieser Rechte für diejenigen Menschen, welche dabei sind, ihre geistige und spirituelle Entwicklung und Vollkommenheit zu erlangen, sehr wichtig ist und nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte.

Diese Angelegenheiten bilden nämlich Eintrittswege in das Herz und die Seele des Menschen und man muss aufpassen, dass nicht jede willkürliche Thematik sich den Weg in das Territorium des menschlichen Körpers bahnt. Die Sammlung dieser Erfassungen wird nämlich einen Ausgang besitzen, der genau auf den im Herzen eigetretenen Weg abgestimmt ist. Aus diesem Grund verweist seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), in Bezug auf die Rechte dieser Körperteile auf sehr bedeutende Aspekte. In Bezug auf das Recht der Ohren äußert seine Exzellenz folgendes: "Das Recht der Ohren besteht darin, dass sie davor rein gehalten werden, der Weg zu deinem Herzen zu sein, außer für eine gute Nachricht, die sich in deinem Herzen wieder findet oder wenn sie dir eine gnädige Wohlgesinnung beschert. Die Ohren bilden nämlich die Türen des Herzens und sie übermitteln dem Herzen die Bedeutung von Gut oder Böse oder Belastungen und stellen eine Kraft dar, die dem Menschen allein seitens des allmächtigen Gottes zuteil wurde."[1]

Zweifellos stellen die Ohren für viele Thematiken den Eingang zum Herzen dar. Aus diesem Grund muss man die Ohren vor allem bewahren. Als eine Person seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.), fragte und nach dessen Leitung bat, äußerte seine Exzellenz (A.S.) folgendes: "Oh Fragender, höre zuerst zu, glaube es danach und setze dich dann erst an die Arbeit und trete in die Phase der praktischen Umsetzung ein."[2]

Die Bedeutung der Thematik der "Ohren" besteht im heiligen Koran in einem solchen Ausmaß, dass der Begriff "Ohr" in den Texten des heiligen Korans sogar vor dem Auge und dem Herzen priorisiert wird. Wie beispielsweise in den folgenden heiligen Koranversen:

 1. " Sprich: "Wer versorgt euch vom Himmel her und aus der Erde? Oder wer ist es, der Gewalt über die Ohren und die Augen hat?" (Yunus | 10: 31).

2. " Wahrlich, das Ohr und das Auge und das Herz sie alle sollen zur Rechenschaft gezogen werden." (Al- Isra | 17: 36). Und auch zahlreiche weitere Koranverse, die in Bezug auf diese Thematik offenbart wurden.[3]

Der Grund für die Prävalenz der Ohren über die Augen liegt jedoch möglicherweise darin, dass das Sichtfeld der Augen von allen Seiten beschränkt ist. Das menschliche Ohr besitzt jedoch die Kraft, auditive Informationen aus sechs Dimensionen und Richtungen zu empfangen. Daher sind die Fähigkeiten der Ohren vielleicht viel höher und besser als die Fähigkeiten der Augen. Auch in der Katharsis und dem praktischen Verhalten ist deren Bedeutung sehr hoch, sodass seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), folgendes äußerte: Der Begriff " سمع " ("Sam" = Ohr (arabisch)) besitzt im heiligen Koran viele Bedeutungen. Der Begriff "Sam" wird zunächst manchmal als Bezeichnung für eine Gruppe verwendet und besitzt die Bedeutung der Gruppe. Und manchmal wird der Begriff "Sam" als Infinitiv verwendet und impliziert die Leere und Fülle und benötigt keinerlei Zusammenfassung. Die Varietäten der Wahrnehmungen und Ansichten in Bezug auf die Darlegungen sind wesentlich höher. Aus diesem Grund werden die Begriffe " قلوب " ("Gholoub" = Herzen (arabisch)) und  " ابصار " ("Ebsar" = Augen (arabisch)) paarweise und im Plural erwähnt, aber der Begriff "Sam" erscheint als Singular.

Zusammenfassend muss der Mensch auf seine Ohren achten und es vermeiden, islamrechtlich verbotene (haram)  Thematiken und sinnlose und vergebliche Reden zu hören. Seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.) äußert in Bezug auf die Frommen nämlich folgendes: "Sie sind Menschen, welche ihren Gehörsinn ausschließlich zum Hören von nützlichem Wissen einsetzen."

Das Recht der Augen

Nach der Erläuterung und Definierung der Rechte der Ohren verweist seine Exzellenz, Imam Sajad (A.S.), auf die Rechte der Augen und äußert folgendes: "Das Recht der Augen liegt darin, dass du sie vor allen Dingen, welche dir nicht halal oder islamisch erlaubt sind, verschließt und setze sie nicht vulgär ein, außer zur Aneignung einer Lehre, sodass du dadurch Kenntnisse erwirbst oder dir Wissen aneignest. Das Gesehene dient nämlich als Mittel zur Lektion."[4]

Der allmächtige Gott weist in der heiligen Sure Al- Balad auf die Großartigkeit des Segens der Augen hin und offenbart folgendes: " Haben Wir ihm nicht zwei Augen gemacht." (Al- Balad | 90: 8). Die Bedeutung dieses Segens rührt daher, dass der Mensch zwar mittels seiner Augen die größte Verbindung mit seiner äußerlichen Umgebung aufbaut, jedoch leider nicht alle Menschen die Kapazität dazu besitzen, auf akkurate Art und Weise Gebrauch von diesem göttlichen Segen zu machen; sodass der heilige Koran folgendes offenbart: "[…] und sie haben Augen, mit denen sie nicht sehen […]" (Al- A’raf | 7: 179).

Wenn der Mensch diesen göttlichen Segen nämlich auf akkurate Art und Weise zum Einsatz bringt, kann er in seinem praktischen Verhalten und der Katharsis den größten Nutzen daraus ziehen. Über den edelmütigen Gesandten Gottes (S.A.S.) wird nämlich folgende Aussage überliefert: "Oh Menschensohn, wenn deine Zunge dich zu verbotenen Dingen verleiten möchte, so habe ich dir zwei Lippen gegeben, die dich davon abhalten und davor bewahren. Schließe die Lippen. Und wenn deine Augen dich dazu verleiten möchten, verbotene Dinge zu betrachten, so habe ich dir zwei Augenlieder gegeben. Schließe sie."[5]

Der Mensch muss mithilfe seiner Augen auf viele Dinge achten. Beispielsweise muss er auf die Mahlzeiten und die Nahrung achten, die er isst und zu sich nimmt, dass sie sauber und rein und islamrechtlich erlaubt und zum Verzehr geeignet sind. In der heiligen Sure Abasa wird folgendes offenbart: " So soll der Mensch doch seine Nahrung betrachten." (Abasa | 80: 24). Es ist aber möglich, dass es sich nicht nur um einen flüchtigen Blick handelt und der Mensch auch auf sein praktisches Essen und seine praktischen Aufnahmen achten muss und beispielsweise darauf achten muss, durch welche Person er sich Wissen aneignet. Seine Exzellenz, Imam Bagher (A.S.), äußert in Bezug auf diesen heiligen Koranvers nämlich folgendes: " عِلمُهُ‏ الَّذِي‏ يَأْخُذُهُ‏ عَمَّنْ يَأْخُذُه"[6]

Der allmächtige Gott hat den Menschen an unterschiedlichen Orten und in Bezug auf diverse Thematiken dazu eingeladen, alles zu betrachten und zu mustern. Beispielsweise: " So durchwandert die Erde und schaut, wie der Ausgang derer war, welche (die Wahrheit) für eine Lüge erklärt haben." (Al-i-Imran | 3:137) Und an einer anderen Stelle offenbart er folgendes: " Sprich: "Zieht auf Erden umher und schauet, wie Er ein erstes Mal die Schöpfung hervorbrachte." (Al- Ankabut | 29: 20). Daher zählen lehrreiche Blicke zu denjenigen Dingen, auf die man ernsthaft und gewissenhaft achten sollte. Außerdem sollte der Mensch alle Dinge aus seiner Umgebung und seinem Umfeld oder all diejenigen Dinge, mit denen er konfrontiert wird, mit einer solchen Betrachtungsweise in Augenschein nehmen.

Seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.) äußert nämlich folgendes: "Es gibt so zahlreiche Lektionen und Lehren, aber leider zu wenige Menschen, die etwas lernen möchten."[7] In einer Überlieferung über Imam Ali (A.S.) steht folgendes geschrieben: Als seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.) Madain (Mahuza) durchquerte und die Palastruinen Taq-e Kisra betrachtete, erinnerte sich einer seiner Gefährten an ein Gedicht, welches von Ibn Heyz Yahya verfasst wurde:                                                     

" Die Winde wehten über ihre verbliebenen Ruinen (und man hört neben dem wehenden Wind auch etwas anderes zwischen ihren Palästen). Man sagt sie hatten alle einen Treffpunkt und eilen nun gemeinsam zu diesem Treffpunkt."[8]

In diesem Moment äußerte seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.) folgendes: Wieso hast du nicht diese heiligen Koranverse aufgesagt? "Wie zahlreich waren die Gärten und die Quellen, die sie zurückließen! Und die Kornfelder und die ehrenvollen Stätten! Und (wie war) das Wohlleben, dessen sie sich erfreut hatten! So geschah es, dass Wir all dies einem anderen Volk zum Erbe gaben. Weder Himmel noch Erde weinten über sie, noch wurde ihnen eine Frist gewährt." (Ad- Dukhan | 44: 25-29). Diese heiligen Verse handeln jedoch vom Pharao und seinem Volk. Nach so langer Qual wurde ihre Regierung und ihr Land dem israelischen Volk überlassen und sie ertranken allesamt im Meer und kein Faktor konnte ihnen helfen  und sie befreien. Zweifellos kann eine solch lehrende Betrachtungsweise sehr zur Entwicklung des Menschen beitragen und in diesem Rahmen eine tragende Rolle spielen.

Nichtsdestotrotz sollte man die göttlichen Segen verwenden und von ihnen Gebrauch machen und die Augen vor Dingen verschließen, welche vom allmächtigen Gott verboten wurden. Seine Exzellenz, Imam Ali (A.S.) äußert nämlich folgendes: "Schließt eure Augen vor verbotenen Blicken."[9]



[1] Ibn Shobeh Harani, Hassan Ibn Ali. Tohaf Aloghool. S. 257. Qom. Jame’eh Modaresin. 2. Auflage. 1404 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[2] Koleyni, Mohammad Ibn Yaghoub. Alkafi. Bd. 2. S. 456. Hadith 13. Tehran. Darol Ketabol Eslami. 4. Auflage. 1407 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[3] (An- Nahl | 16: 78); (Al- Mu’minun | 23: 78); (Al- Baqara | 2: 7); (Fussilat | 41: 20)

[4] Ibn Shobeh Harani. Tohaf Aloghool. S. 257.

[5] Tabarsi, Fazl Ibn Hassan. Majma Albayan Fi Tafsir Alqoran. Bd. 10. S. 748. Untersuchung von Fazlollah Yazdi Tabatabaei. Tehran. Naser Khosro. 3. Auflage. 1372 iranische Zeitrechnung.

[6] Koleyni, Mohammad Ibn Yaghoub. Alkafi. Bd. 1. S. 50. Hadith 8. Tehran. Darol Ketabol Eslami. 4. Auflage. 1407 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[7] Nahjul Balagheh. Weisheit 297.

[8] Karajaki, Mohammad Ibn Ali. Kanz Alfavaed. Bd. 1. S. 315. Qom. Darolzakhaer. 1. Auflage. 1410 islamisch-arabische Zeitrechnung.

[9] Nahjul Balagheh. Predigt 193.




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