| Morgendämmerung | 05:54 |
| Sonnenaufgang | 07:51 |
| Mittag | 12:34 |
| Nachmittag | 14:48 |
| Maghreb | 17:45 |
| Nacht | 18:48 |
| Mitternacht | 23:34 |
Kommentare: 0
Redner: Ayatollah Dr. Reza RamazaniDas qur’anische Menschenbild (Teil 1)Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Das Thema „Mensch“ gehört zu den Themen, die im Lauf der Menschheitsgeschichte die Aufmerksamkeit aller, insbesondere der Denker, auf sich gezogen haben. Da es wichtig ist, alle Dimensionen dieser Angelegenheit zu betrachten, haben sich die göttlichen Religionen und heiligen Schriften besonders ausführlich damit befasst. Der Heilige Qur’an hat dieses Thema in einer besonders herausragenden und allgemeingültigen Weise behandelt, wie die Diskussion dieses Themas zeigen wird.
Zunächst einmal gilt es zu bedenken, dass im Laufe der Geschichte unterschiedliche Methoden entworfen wurden und weiterhin entworfen werden, um Kenntnis über den Menschen zu erlangen. Manche entschieden sich für die empirische Variante der Forschung und bezogen alle Sparten der Geisteswissenschaften mit ein, andere sahen im Pfad der Gnostik und in der Selbstwahrnehmung den einzig wahren Weg zur Erkenntnis über den Menschen. Die Vertreter dieser Ansicht glauben, dass der Mensch die Aspekte seines Wesens durch eigene Bemühung und Entsagung erkennen kann; das ist das gnostische Menschenbild.
Andere wiederum betrachten den Menschen aus philosophischer Perspektive und sind davon überzeugt, dass man mittels Denkvermögen und Verstand Kenntnisse über den Menschen gewinnen kann, was sich im philosophischen Menschenbild manifestiert. Diejenigen, die ihre Kenntnisse über den Menschen auf religiöse Schriften und Überlieferungen gründen, entwickeln auf der Grundlage der göttlichen Offenbarung ein religiöses Menschenbild. Mit der Methode der Offenbarung ist zuweilen nur allgemein die von der Religion bestätigte Methodik gemeint, was empirische und rationale Ansätze einschließen kann, sofern sie die Wahrheit darstellen und ihre Sicherheit und Validität gesichert ist.
In diesem Sinne kann man diese Methoden auch als religiös bezeichnen. In den Diskussionen, die wir, so Gott will, in Zukunft führen werden, werden wir uns diesbezüglich auf die wichtigste Quelle der islamischen Religion, nämlich den Heiligen Qur’an, berufen. Wenn es die Situation erfordert, werden wir auch die anerkannten und sicheren Qur’anexegesen hinzuziehen.
Die Erschaffung des Menschen
Offenkundig haben wir Menschen nicht immer existiert, wird wurden zu einem gewissen Zeitpunkt erschaffen, haben uns vermehrt und Generationen gebildet. Unsere Vorfahren waren unsere Väter und Mütter, und wir sind die Vorfahren der nachfolgenden Generationen. Den Qur’anversen ist zu entnehmen, dass die erste Generation der Menschen auf Adam (a.s.) zurückgeht, der aus Erde erschaffen wurde. Über die Art und Weise dieser Erschaffung wird viel diskutiert, und wir möchten an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, wenngleich das Wissen darüber, das wir wissenschaftlichen Diskussionen entnehmen können, sicherlich unsere Kenntnisse mehrt. Wir möchten uns hier vielmehr mit unserer Stellung in der Schöpfung und unseren Kapazitäten und Talenten befassen und unsere Pflichten und Aufgaben mittels eindeutiger Fakten erkennen, damit wir unser Leben zum Erreichen der wahren menschlichen Existenz besser nutzen können. Vielleicht sind solche Diskussionen, die uns helfen, ein besseres Leben zu führen, am nützlichsten. Wir sollten wissen, welches Ziel Gott, der Erhabene, mit der Schöpfung der Welt und der Menschheit verfolgt hat. Man sollte diese Ziele richtig erkennen, damit man die ablaufende und nie mehr zurückkehrende Lebenszeit richtig nützen kann. Solche Diskussionen befassen sich mit Kenntnissen, auf die wir alle angewiesen sind, denn sie lehren uns das richtige Leben und wie wir es erreichen können. Wir begnügen uns also vorerst damit, dass die Menschheit mit Adam (a.s.) begann:
„O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat; aus diesem erschuf Er ihm die Gefährtin, und aus beiden ließ Er viele Männer und Frauen sich vermehren…“[1]
„…Und Er begann die Schöpfung des Menschen aus Ton. Dann bildete Er seine Nachkommenschaft aus dem Auszug einer verächtlichen Flüssigkeit.“[2]
Der Vers besagt also, dass die Schöpfung des Menschen mit Ton, und die seiner nachfolgenden Generationen mit einer verächtlichen, wässrigen Flüssigkeit begannen. Kombiniert mit dem, was man anderen Versen entnimmt, ist Adam (a.s.) als erster Mensch aus Ton erschaffen worden und alle nachfolgenden Menschengenerationen stammen von ihm ab. In einem anderen Vers werden Adam und Eva als Vater und Mutter aller Menschen bezeichnet:
„O Kinder Adams, lasst Satan euch nicht verführen, wie er eure Eltern aus dem Garten vertrieb…“[3]
Der Heilige Qur’an erwähnt die Geschichte der Schöpfung Adams im Zusammenhang mit der wundersamen Geburt Jesu (a.s.), um auf die Möglichkeit einer solchen Schöpfung durch den göttlichen Willen hinzuweisen:
„Wahrlich, Jesus ist vor Gott wie Adam. Er erschuf ihn aus Erde, dann sprach Er zu ihm: ‚Sei!’ und er war.“[4]
In historischen Analysen und Überlieferungen wird erwähnt, dass Christen aus Nadschran eine Delegation für einen Meinungsaustausch zum edlen Propheten (s.a.s.) nach Medina entsandten. Sie fragten den heiligen Propheten (s.a.s.) unter anderem: „Wer ist der Vater von Moses?“ Er sagte: „Imran.“ Sie fragten: „Wer ist euer Vater?“ Er antwortete: „Abdullah.“ Sie fragten nach dem Vater Josefs, und er sagte: „Jakob.“ Als sie ihn dann fragten, wer der Vater Jesu (a.s.) sei, hielt er kurz inne, und der zuvor erwähnte Vers wurde offenbart.
Die Christen sagten, dass Jesus (a.s.) keinen menschlichen Vater habe und daher der Sohn Gottes sein müsse. Der oben erwähnte Vers wurde diesbezüglich offenbart, und der Prophet fragte die Christen: „Glaubt ihr denn nicht, dass auch Adam keinen Vater hatte? Jesus ist wie er, auch er hat keinen Vater, dennoch sagt ihr nicht, dass Adam der Sohn Gottes ist. Jesus (a.s.) hat auch keinen Vater und wurde auf Gottes Geheiß hin erschaffen.“ Dieser Vers ist ein perfektes Argument und besagt, dass Adam keine Vorfahren hat. Aus diesem Grund erwähnen manche Verse Erde und Schlamm als Stufen der Schöpfung Adams, bis die Seele erwähnt wird, die ihm eingehaucht wurde. Da hat Gott seinen Engeln befohlen, sich vor seiner Schöpfung niederzuwerfen und der Teufel, der allerdings kein Engelswesen war, weigerte sich und wurde verjagt:
„Und damals sprach dein Herr zu den Engeln: ‚Ich bin im Begriff, den Menschen aus trockenem, tönendem Lehm zu erschaffen, aus schwarzem, zu Gestalt gebildetem Schlamm. Wenn Ich ihn nun vollkommen geformt und Ihm meinen Geist eingehaucht habe, dann werft euch vor Ihm nieder.’“[5]
Dieser Vers besagt ganz klar, dass nicht alle Menschen direkt aus trockenem Lehm erschaffen wurden, und zwar in Stufen, die in den Versen beschrieben werden: aus Erde, schlecht riechendem Morast, klebrigem Schlamm und tönendem Lehm. Die Engelswesen warfen sich nicht vor allen Menschen nieder, sondern vor Adam (a.s.) als erstem Menschen. Er ist der einzige, aus Erde erschaffene Mensch. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
Fußnoten:
[1] Sure an-Nisa, Vers 1.
[2]Sure as-Sagda, Verse 7 und 8.
[3]Sure al-A`raf, Vers 27.
[4]Sure Al- Imran, Vers 59.
[5]Sure al-Hidjr, Verse 28 und 29.
|