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Home :: Freitagsgebet :: Archiv :: 27.11.2009 - Das qur’anische Menschenbild (Teil 2)
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Redner: Ayatollah Dr. Reza Ramezani

Das qur’anische Menschenbild (Teil 2)

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Die Schöpfung der Nachkommenschaft Adams (a.s.) wurde in den Qur’anversen wiederholt besprochen, und die verschiedenen Stufen, die schließlich zur Schöpfung des Menschen führen wurden ebenfalls erwähnt. Im Heiligen Qur’an heißt es:


 „Bedenkt der Mensch denn nicht, dass Wir ihn zuvor erschufen, und er war ein Nichts?“

Damit will dieser Vers sicherlich nicht kundtun, dass der Mensch ohne eine zuvor existierende Materie erschaffen wurde. In vielen Versen wird betont, dass es vor der Schöpfung des Menschen Materie gegeben hat. Dieser Vers besagt vielmehr, dass abgesehen von der Substanz, aus der der Mensch geschaffen wurde, noch eine andere Wahrheit nötig war, die hinzugefügt werden musste, denn die Substanz ist an und für sich und ohne Seele völlig unbedeutend und nicht erwähnenswert:


„Gab es für den Menschen denn keine Zeit, da er nichts Nennenswertes war?“

Das macht deutlich, dass es die göttliche Seele ist, die dem Menschen Bedeutsamkeit und potentiell die ganze Wahrheit verleiht. Es gibt viele andere Verse, die von der Materie sprechen, aus der der Mensch gemacht worden ist: Boden, Erde, Lehm, klebriger, schlecht riechender Schlamm, tönender Lehm, trockener Schlamm und Ton. Diese Verse verweisen auf die verschiedenen Schöpfungsstadien des Menschen. Andere Verse erwähnen Wasser als das, woraus der Mensch geschaffen wurde:


„Und Er ist es, Der den Menschen aus Wasser erschaffen hat…“
Mit Wasser ist hier und in einigen anderen Versen ein verächtliches oder ergießendes Wasser gemeint. Das macht es wahrscheinlicher, dass der Qur’an den menschlichen Keim anspricht, und zwar als Mittel der menschlichen Fortpflanzung. Doch jedes Mal spricht er mit eine andere Eigenschaft an:

„Wir erschufen den Menschen aus einem Mischtropfen, auf das Wir ihn prüfen möchten; dann machten Wir ihn hörend und sehend.“
 
Hier wird der gemischte Keim der Menschen angesprochen, und dass diese Vermischung selbst verschiedene Arten haben kann. Die Wissenschaft hat ergeben, dass die menschliche Zelle einerseits eine Mischung des Spermiums und des Ovulums ist und darüber hinaus noch verschiedene Mischungen anderer Sekrete beinhaltet. Das Gerinnsel ist hiermit lediglich das zweite Stadium, das zum Embryo führt und auch in vielen Versen angesprochen wird. Der arabische Begriff, der hier für „Blutklumpen“ oder „Embryo“ benutzt wurde (علقه), hat die Wurzel „Ayn, lam, qaf“ (علق), was „kleben“ oder „binden“ bedeutet, und zwar sowohl in materieller als auch spiritueller Hinsicht, also eine seelische Neigung. Es wird für „Blutgerinnsel“ verwendet, da es, bevor es eine feste Form annimmt, klebrig ist. Hier könnte also auch die Bindung des Ovums an die Gebärmutter oder die Bindung der verschiedenen Teile des Ovums aneinander gemeint sein, was verborgenes und erstmals durch den Qur’an vermitteltes Wissen darstellt, ein Wissen, dass die Menschheit erst in den letzten Jahrhunderten ermittelt hat. Auch andere Stadien der Schöpfung spricht der Qur’an an: Der Fötus, die Entwicklung von Knochen, die Entwicklung von Fleisch über den Knochen und die Bildung einer anderen Schöpfung, bzw. das Einhauchen des Geistes. Eine solche Mischung aus Materie und Geist macht den Menschen zu einer besonderen, herausragenden Schöpfung, und Gott nennt sich deshalb den besten Schöpfer und den Menschen die beste Schöpfung.
 
Studiert man die Verse, die sich auf die Existenz und Unabhängigkeit des Geistes beziehen, der nach dem Tod weiter besteht, lernt man, dass die wahre Persönlichkeit des Menschen von seinem Geist abhängt, während der Körper an sich nur ein Instrument, ein Gefäß ist. Für die Tatsache, dass diese Wahrheit nicht materieller Natur ist, gibt es viele Beweise. Die Persönlichkeit ist beständig, der Geist und seine Phänomene lassen sich nicht spalten, und es ist kein Abgleich des Größeren mit dem Kleineren notwendig. All dies sind wichtige Beweise, und hier werden wir uns mit einigen Tatsachen des Geistes befassen.

Der Geist ist u. a. ein einzelnes Wesen und hat keine der Eigenheiten der Materie. Er macht die wahre menschliche Identität aus. Die „Menschlichkeit“ des Menschen hängt von ihm ab, denn diese Verse sprechen, nachdem sie die Entwicklung eines Körpers festgelegt haben, von einer anderen Schöpfung, bzw. vom Einhauchen des Geistes. Dies allein bezeugt, dass der Geist immateriell ist und somit der Fortbestand des Menschen nach dem körperlichen Tod von ihm abhängt. Die feste Persönlichkeit der Menschen, die in allen Stufen des Lebens, sowohl in dieser Welt als auch in der Zwischenwelt und im Jenseits manifest ist, ist in Wirklichkeit sein Geist und seine Seele. Das Wichtigste aber, was hier vermittelt wird, ist dass der Mensch erst nachdem ihm der göttliche Geist eingehaucht wurde, der Lobpreisung der Engel würdig ist. Erst danach existiert der Mensch als Stellvertreter Gottes auf Erden. So sagte Gott, nachdem er den Menschen geschaffen hatte:

„…So sei denn Gott gepriesen, der beste Schöpfer.“

Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.



Fußnoten:
 Sure Maryam, Vers 67.
 Sure al-Insan, Vers 1.
 Sure Hud, Vers 61.
 Sure al-Hajj, Vers 5.
 Sure as-Sajda, Vers 7.
 Sure as-Saffat, Vers 11.
 Sure al-Hijr, Vers 26.
 Sure ar-Rahman, Vers 26.
 Sure al-Furqan, Vers 54.
 Sure al-Mursalat, Vers 20; Sure as-Sajda, Vers 8.
 Sure at-Tariq, Vers 6.
 Sure al-Insan, Vers 2.
 Sure al-Hajj, Vers 5; Sure al-Mu’minun, Vers 14; Sure Ghafir, Vers 67; Sure al-Qiyama, Vers 38.
 Sure al-Mu’minun, Vers 14:„Dann bildeten Wir das geronnene Blut zu einem Fleischklumpen…“
 Ebd.: „…dann bildeten Wir aus dem Fleischklumpen Knochen…“
 Ebd.: „…dann bekleideten Wir die Knochen mit Fleisch…“
 Ebd.: „…dann entwickelten Wir es zu einer anderen Schöpfung…“
 Ebd.: „…So sei denn Gott gepriesen, der beste Schöpfer.“
 Ebd.



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