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Redner: Imam und Leiter des Islamischen Zentrums HamburgDas qur’anische Menschenbild (Teil 11)Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
Der Mensch als Stellvertreter Gottes
Ein wichtiger Aspekt hinsichtlich der Schöpfung des ersten Menschen, dessen Beachtung von großer Bedeutung ist, ist die Frage der Stellvertretung Gottes auf Erden. Der Heilige Qur’an besagt:
„Und als Dein Herr zu den Engeln sprach: ‚Ich will einen Statthalter auf Erden einsetzen’, sagten sie: ‚Willst Du denn dort solche Wesen haben, die darauf Unfrieden stiften und Blut vergießen? - Und wir loben und preisen Dich und rühmen Deine Heiligkeit.’ Er antwortete: ‚Ich weiß, was ihr nicht wisst.“[1]
Mit Statthalter ist hier mit Sicherheit ein Stellvertreter Gottes gemeint, denn Gott sagt: „Ich setze auf der Erde jemanden ein, dem Ich die Herrschaft darüber verleihe“. Gott erwähnt den Menschen als Seinen Stellvertreter, und die Engel sollten dazu bereit sein, vor diesem Geschöpf niederzuknien. Ginge es nicht um einen Stellvertreter Gottes, hätten die Engel keinen Grund dazu und hätten auch nicht gefragt, warum Gott jemanden als Stellvertreter auswählt, der Korruption verbreitet und Blut vergießt. Abgesehen davon hätte Gott den Menschen nicht alle Namen gelehrt, hätte Er ihn nicht als Stellvertreter vorgesehen.
Man sollte beachten, dass die stellvertretende Rolle des Menschen keine nominelle Angelegenheit ist, sondern eine Tatsache, die in der Schöpfung vorgesehen ist. Dies kann dem Vers:
„und Er lehrte Adam die Namen aller Dinge…“[2]
und auch dem Befehl Gottes an die Engel, den Menschen zu würdigen, entnommen werden. Was mit den „Namen“ gemeint ist, die den Menschen gelehrt wurden, wurde ausführlich diskutiert, und es wurden auch viele verschiedene Interpretationen von Gnostikern und Philosophen geliefert,. Klar ist jedoch, dass die Kenntnis von den Namen aller Dinge dem Menschen den Rang des göttlichen Stellvertreters verleiht. Nimmt der Mensch die göttlichen Namen mit all seinem Wesen auf, wird er zur Manifestation dieser Namen und wird Sachwalter der Schöpfung. Er wird die Mittel des Guten in dieser Welt erkennen und wie er eingreifen kann. Daraus geht hervor, dass es sich bei diesen Namen nicht nur um Wörter handelt, die durch Konventionen festgelegt wurden. Die Namen zu lernen bedeutet nicht, sie im Gedächtnis abzulegen. Sich einen Namen zu merken qualifiziert den Menschen schließlich nicht zum Stellvertreter Gottes. Vielmehr geht es darum, die Wahrheit hinter den Dingen zu erkennen und die dem Menschen bereits angeborene Kenntnis der Dinge und der göttlichen Namen zu entfalten, was die Basis der Überlegenheit Adams (a.s.) anderen Wesen gegenüber ist. Die Nachkommen Adams, die diese potentielle Kenntnis entfalten und somit zur Manifestation Gottes werden, sind Gottes Stellvertreter. Ein Mensch mit beliebigen Gedanken, Überzeugungen und ethischen Prinzipien kann diese Position nicht erreichen, nur diejenigen, die Gott wahrlich näher gekommen und zu wahren Gottesdienern geworden sind, erreichen diesen Rang.
Die göttliche Stellvertretung hat Stufen und Ränge, die jeder Mensch entsprechend seiner Kapazitäten erreichen kann. Der Stellvertreter Gottes zu sein unterscheidet sich von der Stellvertretung einer offiziellen Persönlichkeit in ihren Verantwortungen, wo die Verantwortung erst in Abwesenheit des Verantwortlichen in Kraft tritt. Gott ist nämlich niemals abwesend, er ist omnipräsent, Seine Präsenz ist in keinem Moment wegzudenken. Gottes Stellvertreter zu sein bedeutet vielmehr, durch Gottes Willen Göttliches zu tun und zur Manifestation Seiner Namen zu werden. Es bedeutet, die Wahrheiten der Welt zu kennen und zu beherrschen. Die Macht, die hiermit dem Menschen übertragen wird, ist also nichts weiter als eine Erscheinungsform der göttlichen Macht. Deshalb ist der Mensch das höchste aller Geschöpfe und muss auch von den Wesen der Engelswelt gewürdigt werden. Jeder Mensch muss seine Position und seinen Wert kennen und seine Talente und Kapazitäten nutzen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.
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