Dienstag 22. Mai 2012 (Hamburg)
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Redner: Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des islamischen Zentrum Hamburg

Die Präsenz der Frauen in der Aschura Bewegung

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.
In der erleuchtenden, islamischen Religion sind Mann und Frau gleichwertig, und haben als Mensch die gleiche Position. Die Menschlichkeit des Menschen rührt nämlich von seiner Seele her, und diese ist weder männlich noch weiblich.
Gott der Erhabene betont im hl. Qur’an die hohe Position der Menschen anhand der Verantwortung und der Pflichten, die er ihnen aufgetragen hat:
„Wahrlich, Wir boten das Treuhänderamt den Himmeln und der Erde und den Bergen an; doch sie weigerten sich, es zu tragen, und schreckten davor zurück. Aber der Mensch nahm es auf sich.“
So hat Gott der Erhabene dem Menschen eine große Verantwortung gegeben und dies trifft sowohl auf Männer zu als auch auf Frauen. Immer wenn der hl. Qur’an von wahren, menschlichen Tugenden wie Glaube, Gehorsam, Gottesdienerschaft, Gottesfurcht, Menschenwürde und dem höheren Leben spricht, erachtet er Mann und Frau als gleichwertig.
Der Islam hat stets eine positive und vernünftige Sichtweise den Frauen der Gesellschaft gegenüber gehabt und abergläubische und abwegige Gedanken bekämpft. In den Überlieferungen wird oft gesagt, dass man Frauen gegenüber liebevoll zu sein, und sie gut zu behandeln hat. Der hl. Prophet (s.) sagt: „Die besten von euch sind diejenigen, die ihre Frauen besser behandeln als die anderen.“  Der Edelmutige (s.) sagt auch: „Nur ein würdiger Mensch würdigt Frauen, und nur ein niederträchtiger Mensch beleidigt sie.“  Ebenfalls vom hl. Propheten (s.) stammt folgende Überlieferung: „Gabriel gab mir fortwährend die Anweisung, Frauen zu respektieren, so dass mir vorkam, dass ein Mann zu seiner Ehefrau nicht „Ach“ sagen kann.“
In einer wertvollen Überlieferung beschreibt sich der hl. Prophet (s.) als Sohn einer Frau und sagt: „Ich bin ein Sohn von Frauen wie die Atikas , von Frauen wie Fatima.“  Hier meinte der Edelmutige (s.) natürlich, dass es in seinem Stammbaum Frauen mit diesen Namen gibt, doch die Erwähnung dieser Frauen im Zusammenhang mit der höchsten Persönlichkeit der Welt, besagt vieles über die hohe Position der Frauen im Islam.
Die Worte, mit denen der hl. Prophet (s.) die edelmutigsten Frauen der Welt wie Fatima (s.) und Khadidja (s.) beschreibt, besagen auch ganz klar, dass Frauen die höchsten Ränge der Gottesdienerschaft erklimmen und die Nähe zu Gott gewinnen können. Der hl. Qur’an erwähnt Asiah (s.) und Maria (s.), Tochter des Imran als Beispiele für Gläubige Menschen. Dies bedeutet, dass die Tradition des hl. Propheten (s.) die Frauen anhand der Standfestigkeit ihres Glaubens und der Qualität ihrer Taten als absolute Vorbilder für alle Gläubigen Männer und Frauen der Welt betrachtet.
Am Anfang des Islams empfing der hl. Prophet (s.) in mehreren Sitzungen den Treueid der Frauen. Während der Huldigung in Aqaba siebzig Personen anwesend, drei davon Frauen. Nach der Eroberung von Mekka empfing der hl. Prophet (s.) nach der göttlichen Anweisung durch die Verse den offiziellen Treueid der Frauen. Hier sollte allerdings erwähnt werden, dass diese Geste des hl. Propheten (s.) eine ethische war, die mit dem Prinzip der Familie zu tun hatte. Es wurden dabei die wichtigsten, gesellschaftlichen Pflichten der Frauen, wie z.B. die Bewahrung ihrer Sittlichkeit, die Erziehung von Kindern und die Stärkung des Fundaments der Familie betont. Durch diesen Treueid bekannten sich die Frauen dazu, dass sie nur an einen Gott glauben, nicht stehlen, keine Unzucht betreiben und dem hl. Propheten (s.) in Angelegenheiten, die das Wohl der Menschheit betreffen, nicht widersprechen.  Der Islam betont aber die Präsenz der Frauen auch in anderen Aspekten und Feldern.
So Gott will werden wir uns heute mit der aktiven Teilnahme der Frauen in der großen Bewegung des Aschura als eine der größten, islamischen Bewegungen der Geschichte befassen.
Zweifelsohne waren alle göttlichen und menschlichen Werte und Lehren in dieser Bewegung kristallisiert. Jeder, der dieses große Ereignis genauer studiert, erfährt, dass Aschura eine Front des Lichts ist, der die Essenz aller Schönheiten innewohnen. Es ist ein Ereignis, welches viele Lehren und Botschaften in sich trägt, und vielen, verschiedenen Menschen eine Lehre sein kann.
Diejenigen, die an diesem großen, göttlichen Aufstand Teil genommen haben, haben wahrlich ihre ihnen von Gott gegebene Pflicht erfüllt. Dass Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder sich unter den Kämpfern Imam Husseins (a.s.) befanden besagt, dass sie diese göttliche Pflicht genau und vollständig wahrgenommen und verstanden haben. Es gibt viele verschiedene Blickwinkel, aus denen man diese Bewegung betrachten und analysieren kann, doch die starke Präsenz der Frauen in dieser großen Bewegung zeugt von ihrem Verantwortungsbewusstsein, und aus diesem Grund möchten wir uns mit diesem Thema befassen und hoffen aus ganzem Herzen, dass Musliminnen – so Gott will – mehr als zuvor ihre wahre Position und ihren wahren Wert erkennen.
Den Statistiken, die in die Geschichte eingetragen sind nach, hatten die Frauen eine erhebliche Präsenz während des Aufstands von Aschura, und auch ihre Rolle darin ist ganz offensichtlich. Manche der Frauen, die dort anwesend waren, waren Nachkommen von Imam Ali (a.s.), und manche von aus der Banihaschem Familie, sowie aus anderen, arabischen Stämmen. Zu den Nachkommen Imam Alis (a.s.), die eine Rolle darin spielten gehören unter anderem Zainab, Umm Kulthum, Fatima, Safia und Ruqia (s.). Sakina und Fatima waren Töchter Imam Husseins (a.s.). Rubab, Atika die Mutter von Mohsen ibn Hassan, die Tochter von Muslim Ibn Aqil, die Mutter von Wahb ibn Abdullah waren auch Anwesend.  Manche von ihnen, wie z.B. Umm Wahb, die Frau von Abdullah Kulbi starben an jenem Tag den Märtyrertod.
Die Anwesenheit jeder dieser Damen war auf ihre Art wichtig und wirksam, doch die edelmutige Frau, deren Präsenz in allen Phasen dieser Bewegung am auffälligsten war, war Zainab (s.).
Wie wir wissen, beschränken sich die gesellschaftlichen Pflichten aus islamischer Sicht nicht nur auf die Männer; auch Frauen sind anhand ihrer Religion dazu verpflichtet, in den verschiedenen Bewegungen, die den Konflikt zwischen Recht und Unrecht betreffen, anwesend zu sein und sich vernünftig und verantwortungsbewusst zu verhalten. Die Beispiele, die in der Aschura Bewegung gesehen werden belegen dies, denn die Geschehnisse jeder Phase dieses Aufstands war von der Präsenz der Frauen begleitet, die ihrer religiösen und göttlichen Pflichten wahrnahmen.
Die Präsenz der Frauen in der Bewegung des Aschura drehte sich anhand der Fakten um folgende Mittelpunkte:
1.    Die Darlegung und Vermittlung der Ziele Imam Husseins (a.s.) sowie die Beschreibung der Begebenheiten des Aschura während der Reise von Kerbela nach Medina, vor allem am Ende dieser Reise, woran hauptsächlich Zainab (a.s.) und Umm Kulthum, die Schwestern von Imam Hussein (a.s.) sowie Sakina und Fatima, die Töchter Imam Husseins (a.s.) Teil hatten. Dies ist der wichtigste Aspekt der Anwesenheit der Frauen im Tag des Aschura, weil es damals angesichts der Umstände sehr schwierig war, die Botschaft des Aschura richtig und vollständig zu verstehen. Es waren die Frauen in der Familie Imam Husseins (a.s.), die diese schwierige Verantwortung übernahmen und sie bestens erfüllten.
2.    Geduld, Standfestigkeit und Widerstand gegenüber verschiedenen Tragödien und gegenüber den Beleidigungen durch die Feinde Gottes und des Ahlulbait (a.s.), sowohl vor den Geschehnissen des Kerbela sowie während ihrer Gefangenschaft. Das ertragen dieser Schikanen wäre ohne eine starke, göttliche Motivation unmöglich gewesen, doch durch die göttliche Zuwendung zeigten die Frauen eine unglaubliche Geduld und Widerstandsvermögen.
3.    Die Enthüllung der Wahrheit vor den Unterdrückern, welche als eine der größten islamischen Pflichten gilt. Diese gläubigen und opferbereiten Frauen übten dies mit beispielhaftem Mut. Umm Kulthum, Tochter von Imam Ali (a.s.) war eine sehr belesene und eloquente Frau. Sie unterließ es während ihrer Gefangenschaft keine Minute, durch ihre Worte die Wahrheit ans Licht zu bringen. Als man die Karawane der Gefangenen nach Kufa brachte, sprach diese edelmutige Frau die große Menge an und warf ihnen ihre Untätigkeit vor, denn sie hatten sich geweigert, Imam Hussein (a.s.) zu helfen. Als die Karawane in Kufa eintraf, hatten sich eine Gruppe von Menschen versammelt um sie sich anzusehen, da rief Umm Kulthum in die Menge:
„O Einwohner Kufas, schämt ihr euch denn nicht vor Gott und seinem hl. Propheten (s.), dafür dass ihr euch als Schaulustige vor der Familie und Ehre des hl. Propheten (s.) versammelt habt?“
Ein weiteres Beispiel ist das klare und entschlossene Widerstreben Zainabs (a.s.) gegen die Armee des Yasid. Sie sprach im Palast des Yasid mit Leidenschaft und in Wahrheit:
„O Yasid! Hast du denn geglaubt, dass du uns entehrst und dich selbst ehrst, indem du uns als Gefangene von einer Stadt in die nächste führst? O ihr, die ihr während der Eroberung Mekkas befreit wurdet! Ist es denn Gerecht, dass ihr eure eigenen Frauen und Dienstmädchen hinter euren Vorhängen verborgen habt aber die Töchter des hl. Propheten (s.) Gefangengenommen, sie erniedrigt und ihre Gesichter gezeigt, und sie in der Gefangenschaft des Feindes von einer Stadt in die nächste führt, so dass sie von allen Einwohnern dieser Städte, Dörfer, Festungen und Wüsten gesehen werden?“
4.    Das Motivieren der Kämpfer und das Anspornen der Soldaten in Imam Husseins (a.s.) Armee durch ihre Mütter und Ehefrauen, damit Imam Hussein (a.s.) auf dem Pfad der Wahrhaftigkeit geholfen ist und damit sie sich diesem Pfad opfern. Die Frauen des Ahlulbait (a.s.) wie z.B. die Ehefrauen von Zuhair Ibn Quain, Muslim Ibn Ausidja, Khuli und Umm Wahb etc. sollten hier erwähnt werden. Es wird berichtet, dass Abdullah Kulbi in Kufa sash, dass die Palmenfelder ein Versammlungsort der Armee Yasids geworden sind und dass die Regierung die Menschen dort versammelt, damit sie den Sohn des hl. Propheten (s.) und seine Anhänger ermorden. Er sprach zu sich selbst: Ich habe mich stets bemüht, gegen die Ungläubigen zu kämpfen, und der Kampf gegen die Anhänger Yasids wird bestimmt gleich belohnt wie der Kampf gegen die Ungläubigen, so beschloss er, Imam Hussein (a.s.) zur Hilfe zu eilen. Er erzählte dies seiner Frau, die ihn lobte und sagte: Du denkst richtig, und du hast die Wahrheit erfahren. Gott hat dir diesen Pfad gezeigt. So eile zu Imam Hussein (a.s.) und nimm mich mit. Er und seine Ehefrau reisten beide nach Kerbela und starben dort beide den Märtyrertod.
5.    Zainab (a.s.) war die Anführerin der Gefangenenkarawane und Verantwortlich für die Kinder, und zeigte besser als alle anderen, wie sie eine Krisensituation handhaben und verwalten kann. Sie musste sich um Gefangene und um Kinder kümmern, die Beleidigungen und Erniedrigungen der Feinde über sich ergehen lassen und sie teilweise erwidern und schaffte es, all dies bestens zu handhaben. Durch die göttliche Sachwaltschaft war sie imstande, diese Gefangenschaft in die Befreiung der Menschen zu verwandeln, das Bewusstsein der Menschen zu wecken und eine große Umwälzung herbeizuführen, so dass alle Anwesenden Reue zeigten und viele von ihnen auf den richtigen Pfad umkehrten.
6.    Die Frauen waren während ihrer Gefangenschaft immerwährend bemüht, die Grenzen, die einer Frau von Gott gesetzt worden sind einzuhalten und sich ethisch wie gläubige, muslimische Frauen zu verhalten, und niemals ihre religiösen Pflichten zu vernachlässigen.
Sie verhielten sich so, wie es der Islam lehrt und wie er es auch vom Menschen erwartet. Sie weckten die Emotionen der Menschen von Kufa und Damaskus und brachten sie zum Weinen, und somit befassten sie sich mit den verschiedenen Aspekten dieser Bewegung und erläuterten die Lehren des Aschura. Sie betonten, wie sehr man aus diesen Ereignissen zu lernen hat.
Zainab (a.s.) übermittelte die Botschaft des Aschura als Anführerin der Gefangenen sowohl während ihrer Gefangenschaft als auch danach. Sie war eine göttliche Persönlichkeit, die von ihrem edelmutigen Vater dazu befähigt und ermächtigt worden war, in Kufa Qur’anunterricht für Frauen zu erteilen und viele Männer in Kufa hatten ihre Anwesenheit in Kufa eben diesen Schülerinnen Zainabs (a.s.) zu verdanken.
Zainab (a.s.) war höchst wortgewandt. Diejenigen, die sie während ihrer Rede nicht hören konnten, dachten, dies seien die Worte Imam Alis (a.s.). Sie war eine weise Frau, die ihre Ausbildung in einer Familie von Empfängern der Offenbarung erhielt. Sie war eine Denkerin, die durch ihre scharfen Lektüren die islamische Gesellschaft der Zeit weckte. Sie besaß ausreichend Wissen, um als wichtige Tradentin zu zählen und es gibt Überlieferungen, die durch sie übermittelt worden sind.
Diese edelmutige Frau war eine höchst spirituelle Gottesdienerin und Gott dem Erhabenen so nahe, dass ihr Bruder, Imam Hussein (a.s.) sie bat, für ihn zu beten. Sie  hatte ihre Pflichten und ihre göttliche Verantwortung so gut verstanden, dass sie auf die Frage: „Wie hast du Kerbela gesehen?“ antwortete: „Ich sah nichts außer Schönheit“. Diese Antwort kann nur von jemandem Stammen, der sich voll und ganz Gott überlassen und als Gottesdiener einen Rang erreicht hat, in dem er die göttlichen Zeichen sieht.
Diese große Frau der islamischen Welt hatte auch einen erheblichen Erfolg in der Erziehung ihrer Kinder. Sie war stets bemüht, die inneren Angelegenheiten der Familie zu verwalten und die richtigen Bedingungen für den Fortschritt und die Weiterentwicklung ihrer Kinder zu erschaffen.
Zainab (a.s.) war eine treue Ehefrau und eine liebevolle Mutter, eine mitfühlende und liebende Schwester. Sie war ihrem Ehemann, Abdullah Ibn Djafar eine treue Ehefrau und ihren Kindern eine liebevolle Mutter. Sie war ein zielorientierter  Reisegefährte, die ihre göttlichen und bedeutsamen Reisen unternahm und ihre göttlichen Pflichten und Verantwortungen als ein göttlicher und edelmutiger Mensch wahrnahm. Nach den Ereignissen des Aschura übermittelte sie die vollständige Botschaft des Aschura an die Menschheit, weil sie sie anhand ihres fähigen, weisen und gnostischen Verstands richtig wahrgenommen hatte.